Mittwoch, 13. Februar 2008

Dem Kiwi Poker dem

Zum Beginn des Turniers im Bar- und Restaurantbereich der Golden Gate Lodge, musste man sich bei der sichtlich überforderten (und übergewichtigen) Turniermanagerin anmelden, komplett mit ausgefülltem Beitrittsformular der New Zealand Poker League. Sodann bekam man einen Tisch zugewiesen, an dem man sich einen von acht Plätzen aussuchen musste.

Gleichzeitig erhielt man eine rästelhafte Karte aus dünnem Papier, auf der in einem Raster von 4x3, also insgesamt 12 mal die Zahl 250 gedruckt war. Meiner hochsozialen, natürlichen Neugier folgend fragte ich bei der Manager-Debutantin nach dem Zweck dieses "Dokuments", worauf sie mir eröffnete, dass man mit dem Konsum eines alkoholischen Getränks an der Bar je ein oder zwei (je nach Preis und Alkoholgehalt) dieser Felder abgestempelt bekommen würde, um nach Ende der zweiten Runde (dazu später mehr) pro Feld einen Bonus von Chips im symbolischen Wert von 250$ zu erhalten.

So weit so gut. Da ich von dem Kilometermarsch unter der Sonne Neuseelands auch durstig war, musste sowieso erstmal ein Pint Draught Beer her! ("Speights", sehr lecker - leicht nussig, keine Spur von bitter aber trotzdem irgendwie herb und mit 4% Alkohol erfrischend leicht.) Dafür bekam ich ein Feld abgestempelt - fein. Für ein Bacardi-Cola in der 0,33 Liter Flasche hätte ich zwei Felder (500$ Chips) quittiert bekommen, aber schliesslich war ich zum Pokern hier, nicht um mich zu besaufen.

Eine knappe Stunde später startet das Turnier mit Blinds 25/50$ und 4.000$ Chips für jeden Spieler. Insgesamt waren 23 Spieler anwesend, also eine recht überschaubare Szenerie. Eine Runde dauerte 20 Minuten mit je 10 Minuten Pause nach jeder zweiten Runde.
Zu meiner Überraschung gab es schon mal keinen designierten Dealer am Tisch, man musste die Karten selbst mischen. Die "Tische" waren lediglich achteckige Tabletops, die auf die vorhandenen, recht stabilen, quadratischen Bistrotische aufgesetzt wurden. Die Plastikkarten waren neu, jedoch recht dick und steif, beim Mischen war viel Konzentration und Fingerfertigkeit gefordert, wenn man dabei nicht den halben Kartenstapel über den Tisch verteilen wollte. Meiner Meinung entsprechen die Rundenzeiten von 20 Minuten ohne Dealer mit solchen Karten einer effektiven Rundenzeit von etwas weniger als 15 Minuten.

Die offenen Karten zur Bestimmung der Dealerposition wurden vergeben, ich war gleich mal under-the-gun auf einem Tisch mit insgesamt 7 Spielern. Mein Notizbuch hatte ich dabei, so konnte ich mir kleine Notizen über die Spielweisen meiner Gegner machen. Da verlassen sich einige auf das eigene Gedächtnis, aber wenn man die paar Eigenschaften und Charakterzüge seiner Mitspieler gleich wenn sie einem auffallen notiert, erspart man sich etwas Gedächtnisarbeit und kann sich besser auf das Spiel konzentrieren, die Aufmerksamkeit aufs wesentliche gerichtet. Gut - am Tisch wurden grosse Augen gemacht, anscheinend kannte das hier noch niemand. Auf die Frage was ich da notieren würde, sagte ich: "just some things i should not forget to buy at the store tomorrow" - also was ich mir morgen alles so im Supermarkt besorgen müsste *gg*.

Ich hatte meine Strategie zurecht gelegt: Hohe Ansprüche bei der Auswahl an spielbaren Starthänden, die vorsichtigen Spieler zu bluffen und die risikofreudigen Gegner in sehr starke Hände laufen zu lassen - eigentlich nichts besonders Aussergewöhnliches am Pokertisch.
Nur gabs da ein Problem: Mit Händen wie z.b. 47o, 26s, J4o geht man besser jeder Konfrontation mit mehr als einem Spieler, überhaupt mit einem (möglichen) Spieler hinter einem selbst, aus dem Weg. Das ganze Turnier über sah ich kein einziges Ass in meinen Händen, die beste Hand war KJd, auf einem Flop von Qd9h7s war diese Kombination gegen einen Potsized Raise aber nicht spielbar - zurecht, denn da wäre ich in einen dicken Damen-Drilling mit König-hoch gelaufen - also eigentlich gut gemacht. Dann am Cutoff J8h gegen einen eher vorsichtigen Spieler in Dealerposition unraised gespielt, mit einem Flop von 3h8dJd den 200$ Bet vom Dealer leicht geraised (auf 600$) um an Chips zu kommen, weil ich bisher bis auf eine Hand nur die Blinds spielen und folden konnte bzw. musste - und schon war der Pot mein. Nicht viel aber immerhin wieder ein paar Runden mehr zu überleben.
Leider kam danach so gut wie nichts mehr. Es gab eine Menge Assen in den Starthänden, jedoch leider nicht in meinen. So gut wie jede Hand die ich selbstbewusst nicht gespielt habe, traf den Flop bzw. das Board nicht. In den ersten drei Runden gab es zwei Paar Könige, vier mal ein Paar Assen und ein mal AKd in den Händen meiner Gegner. In der vorletzten Hand bekam ich bei Blind Level 200/400 mit einem Stack von 900$ Qs9c in Big Blind Position, foldete die Hand gegen ein All-in mit 700$ und einen Call vom BigStack (der zwei Mal Asse spielen durfte) und hätte diese Hand auch noch gewonnen. Mit dieser Startkombination hätte ich bei einem M von unter 3 sofort all-in gehen müssen, durch den Call vom Bigstack hatte ich mich mathematisch leider etwas einschüchtern lassen. Hier wurde übrigens A3s gegen 58d gespielt, A3 gewinnt mit einem Paar Dreien. Am Board lag dann am Turn auch die mir unglaublich erscheinende Neun :(
In der nächsten Hand hatte ich also noch 500$ im Small Blind bei 200/400 also entschied ich mich sofort all-in zu gehen. Und jetzt kommts: Ich bekam wieder die selbe Startkombination: Qs9c (!). Die Hand verlor ich natürlich, weil drei Spieler mein all-in gecalled hatten, keine Dame, keine Neun am Board - shit happens. Etwas mürrisch wegen der schlecht gemischten Karten (und es wurde wirklich um einiges schlechter gemischt als bei den besseren Homegames, an denen ich bisher teilgenommen hatte) besorgte ich mir noch ein Speights um danach die Heimreise anzutreten.

Doch ich ging nicht mit komplett leeren Händen nach Hause: Einer der Spieler (namens "Bet-to-Fold" in meinem Notizbuch) verriet mir, wo ich ein halbwegs schnelles, offenes WLAN in Cromwell finden würde. Angesichts der schlechten Internetanbindung in meiner Residenz am Lake Dunstan eine (noch abzuwägende) hoffentlich gute Alternative.

Ach ja, die Geschichte mit den Gutscheinen...
Je mehr gesoffen wurde, um so mehr Chips bekam man von der Turniermanagerin als Bonus dazu. Die Gutscheine waren einmalig gültig - was ich aber nicht wusste - je länger man mit dem Einlösen zuwartete, um so mehr Chips bekam man, und zwar relativ zu den Blind Levels. Das heisst: Hatte man, so wie ich am Beginn des Turniers ein Feld, konnte man sich am Ende der ersten Runde 250$ in Chips abholen, bei zwei Feldern 500$ und so weiter. Am Ende der zweiten Runde bekam man pro Feld aber schon 500$, weil in der nächsten Runde höhere Blinds warteten. Selbstverständlich hatte man bis dahin auch mehr Getränke konsumieren können...
Da die Turniermanagerin mir das aber nicht so erklärt hatte, musste ich hier auch sozusagen Lehrgeld bezahlen. Wäre mir das bewusst gemacht worden, hätte ich meinen Gutschein natürlich nicht bei der ersten Gelegenheit einlösen wollen.

Alles in allem musste ich feststellen, dass Kiwi-Poker wohl sehr, sehr skurril aber mindestens genau so spannend ist wie in good old Austria. Immerhin war die Teilnahme gratis.
Die Managerin verweigerte leider Fotos von ihrer Person, wahrscheinlich war ihre enorme Leibesfülle der Grund, denn das dürften schon gute 120 Kilogramm gewesen sein...